Weshalb der fischertechnik-3D-Drucker vielleicht zu kurz gesprungen ist.

Auf der Spielwarenmesse in Nürmberg präsentierte fischertechnik im Februar 2016 einen 3D-Drucker, der im Juni auf den Markt kommen wird – zu einem Preis von knapp 700 €.

Keine Frage, 3D-Druck ist ein Thema – und zudem kein ganz junges. Daher stand fischertechnik bei der Konzeption des Baukastens zweifellos vor einem Dilemma: Einerseits sollte ein fischertechnik-3D-Drucker auch im Wesentlichen aus fischertechnik bestehen. Andererseits sind die Ansprüche an die Präzision von Konstruktion und Steuerung eines 3D-Druckers in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – mit Encodermotoren, TXT Controller und Robo Pro kann das nur mit Einschränkungen gelingen. So verfügt Robo Pro beispielsweise über keine Funktion zum Einlesen von Text-Dateien – und kann daher auch keine STL-Dateien auswerten. Die Encodermotoren sind zudem keine Schrittmotoren; bei der Präzision gäbe es da also Grenzen.

fischertechnik setzte daher auf einen Kompromiss: vier Schrittmotoren (die fischertechnik-Fans werden jubeln), ein G-Code-fähiges Standard-Steuerungsmodul, ein hochwertiges Filament (PLA) – und für den Bausatz vor allem Alus, Ketten und Schneckengetriebe. Wie gut der Kompromiss ankommt, wird sich im zweiten Halbjahr 2016 zeigen. Möglicherweise hat fischertechnik damit genau zwischen den Stühlen Platz genommen: zu viel Spielzeug für den Profi mit hohen Präsizionserwartungen, und zu spezialisiert und hochpreisig für einen fischertechnik-Fan (denn für dasselbe Geld gibt es zwei komplette Discovery Sets).

Sicher hegen praktizierende fischertechniker erstmal Sympathie für „Maker“ wie den Achtklässler Lars Hudalla, der im vergangenen Jahr mit seinem fischertechnik-3D-Drucker den Regionalwettbewerb von Jugend forscht in Herford für sich entscheiden konnte – ohne Spezialhardware, dafür mit dem einen oder anderen unrunden Druckergebnis.

3D-Drucker Jugend forscht

3D-Drucker von Lars Hudalla (Jugend forscht Herford, 3/2015)

Und auch in der „Szene“ ist das Thema schon vor längerer Zeit angekommen: unterschiedliche 3D-Drucker konnten bereits in den Jahren 2011, 2012 und 2013 auf der fischertechnik Convention bewundert werden; und der erste funktionierende fischertechnik 3D-Drucker stammt von Andreas Rozek – aus dem Jahr 2009. Kein so richtig frisches Thema also. Ob das Experiment 3D-Drucker also gut geht?

Vielleicht sollte fischertechnik das Angebot um einen reduzierten Bausatz für Maker erweitern – denn ein fischertechniker benötigt eigentlich nur die Düse, das Filament und vier vom TXT ansteuerbare Schrittmotoren. Keine Spezialhardware, keine Software – das alles bekommen Fans selber hin. Denn „plug and play“ war noch nie der Antrieb eines fischertechnikers. Beim Konstruieren ist schließlich der Weg das Ziel – das Ergebnis hebt man bestenfalls für die nächste Convention auf.

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