Worüber fischertechniker staunen.

Paris hat den Eiffelturm – aber Köln hat den Dom. Mit 157 m ist er – nach dem Ulmer Münster (161,5 m) – das zweithöchste Kirchengebäude Europas und das dritthöchste der Welt. Fünf Jahre lang, von 1880-1884, war es sogar das höchste von Menschen errichtete Bauwerk überhaupt.

Kölner Dom

Beeindruckend ist aber vor allem die Geschichte seiner Entstehung. Begonnen wurde der Dom im Jahr 1248: 12 Jahre vor der Fertigstellung der ersten rein gotischen Kathedrale Notre-Dame in Chartres (Turmhöhe: 105 m), 120 Jahre vor der Grundsteinlegung des Ulmer Münsters und rund 200 Jahre vor Beginn der Renaissance, in der u.a. die Werke Leonardo da Vincis, Michelangelos und Filippo Brunelleschis Florenzer Domkuppel entstanden, nachdem man das nach dem Untergang des römischen Reiches (um 500 n. Chr.) verloren gegangene Wissen der Griechen und Römer wiederentdeckt hatte. Mitte des 13. Jahrhunderts lagen wesentliche Erfindungen noch in ferner Zukunft – es gab weder Brillen (ca. 1280) noch mechanische Uhren (um 1300), die Zentralperspektive (1412) war noch nicht entdeckt und man kannte weder Gutenbergs Buchdruck (1445) noch Columbus‘ Amerika (1492).

Von 1248 bis etwa 1530, fast 300 Jahre lang, wurde intensiv am Dom gebaut. Reformation und Geldmangel (Ende des Ablasshandels und der Bau des Petersdoms ab 1515) führten zu einem fast 300jährigen Baustopp. 1814 und 1816 wurden die Baupläne der Fassade aus dem Jahr 1280 wiederentdeckt – und der Dom schließlich von 1842 bis 1880 fertiggestellt.

Der Kölner Dom ist ein Meisterwerk der gotischen Architektur und gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Kein Mensch käme heute auf die Idee, sich über die Bauzeit von über 300 Jahren und den fast ebenso langen Baustopp zu mokieren. Ganz im Gegenteil: Die Hartnäckigkeit, mit der sich die gotischen Baupläne des 13. Jahrhunderts über mehr als ein halbes Jahrtausend gegen wechselnde Architekturmoden durchsetzen konnten, nötigt Respekt ab und ist wesentlicher Kern dieser unglaublichen Bauleistung.

Was sind dagegen schon die neun Jahre Bauzeit und 1,5 Jahre Baustopp der 110 m hohen Hamburger Elbphilharmonie?

Mit fischertechnik ist die Nachbildung der gotischen Bögen gar nicht so einfach – ein Modell des Kölner Doms ist mir bisher nicht bekannt. Allein das Gehäuse der 2010 von Martin Romann konstruierten fischertechnik-Pendeluhr scheint den gotischen Baumeistern des Mittelalters zu huldigen:

Pendeluhr (Remadus)

Pendeluhr (von Martin Romann, 2010)

Advertisements

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: