Wie fischertechnik es mit DJI aufnimmt.

DJI – Da-Jiang Innovations Science and Technology Co., Ltd – ist womöglich die Blaupause für das, was auf die europäische Wirtschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zukommt: ein chinesisches Unternehmen, das innerhalb von zehn Jahren mit großartigen technischen Innovationen zum unangefochtenen Weltmarktführer aufsteigt. Das erst 2006 gegründete Unternehmen hat bei kommerziellen Drohnen (Quadcoptern) inzwischen einen Marktanteil von weit über 80% und erreichte 2017 bereits einen Umsatz von mehr als 2,8 Mrd. US-$. So eine steile Entwicklung kannte die Welt bisher höchstens von amerikanischen IT-Unternehmen – denen gelang das aber selten profitabel. DJI ist ein Beispiel für das „neue China“, das mit eigenen Ingenieursleistungen glänzt und den Weltmarkt aufmischt. Die Zeit des „Abkupferns“ westlicher Technologie ist dort bereits Geschichte.

Zwar lassen sich auch mit fischertechnik Quadcopter bauen – allerdings nicht mit den fischertechnik-eigenen Controllern, die für die Steuerung zu langsam und für einen Flug zu schwer sind. Vor allem aber zielt fischertechnik nicht auf den Konsumenten-Markt für Drohnen – sondern auf den Maker-, Bildungs- und Spielzeugmarkt, und steht daher mit DJI nicht im Wettbewerb.

Bisher jedenfalls. Seit 2019 aber nimmt DJI seinerseits den Maker- und den Bildungsmarkt ins Visier. Schon 2013 startete DJI in China einen „Robomaster“ genannten Robotik-Wettbewerb für Studenten. Die Veranstaltung wuchs von 24 teilnehmenden Teams im ersten Jahr auf sieben Veranstaltungen mit über 300 Teams und knapp 1.500 Teilnehmern im Jahr 2020.

Robomaster 2019

Für teilnehmende Schülerinnen- und Schülerteams entwickelte DJI über die Jahre einen Roboter-Bausatz, der 2019 als „Robomaster S1“ Produktreife erlangte. Der Roboter verfügt über Mecanum-Wheels, eine Kamera, Abstandssensoren, kann kleine Gel-Kügelchen schießen, wird über eine grafische Programmieroberfläche programmiert und via WLAN verbunden.

DJI Robomaster S1

Um den Roboter mit zusätzlichen Einsatzmöglichkeiten zu versehen, wurde 2020 der „Robomaster EP“ eingeführt: dasselbe Chassis, aber mit einem Roboterarm und verschiedenen Anbaumöglichkeiten ausgestattet.

DJI Robomaster EP

Doch die Herkunft als Produkthersteller kann DJI nicht verleugnen: Der Zusammenbau ist aufwändig (mindestens ein halber Tag), der Roboter schwer, die Anbaumöglichkeiten begrenzt und die Teile nicht für andere Zwecke verwendbar – dabei liegt der Robomaster EP mit knapp 1.000 € je Exemplar preislich deutlich oberhalb der Schmerzgrenze selbst einer MINT-Schwerpunktschule.

Das kann fischertechnik besser: mit über 50 Jahren Erfahrung ist das Baukastensystem wie gemacht für einen solchen Einsatz in der MINT-Bildung, zu deutlich günstigeren Preisen. Und so kontert fischertechnik in diesem Jahr mit einem neuen Baukasten, der sogar mehr als der Robomaster EP zu bieten hat – verfügbar ab Juli 2021.

Produktvorstellung auf der „virtuellen Spielzeugmesse“ im Januar 2021

Noch fehlen die coolen Videos, die die Möglichkeiten dieser Neuentwicklung in Szene setzen – aber die werden sicher bald nachgeliefert. Punkten wird fischertechnik damit gewiss – sofern es gelingt, diesen Roboterbausatz in der Zielgruppe bekannt zu machen. Und ein wenig wird davon vielleicht auch abhängen, ob die nächste Generation europäischer Ingenieure noch mit den Chinesen mithalten kann.

2 Kommentare zu „Wie fischertechnik es mit DJI aufnimmt.

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  1. Hallo Dirk, danke für diesen Beitrag. Ich finde den Vergleich bzw. die Gegenüberstellung sehr interessant und informativ. Zuerst hielt ich den neuen Kasten nur für „ganz Nett“. Aber du zeigst hier sehr schön die Stärken auf, die fischertechnik ausspielen könnte. Hoffentlich hält der neue TXT dass, was fischertechnik uns mit ihren Produktverpackung (in diesem Fall ein Marketing Video) verspricht bzw. glaubhaft machen möchte.

    Wenn wir dieses Mal wirklich einen Controller mit den zu erkennenden IO´s (Cam, Mic, Servos, I2C, Audio? usw.) und den gesehen Komponenten (Mecanum-/ Omni-Wheels ,Plattform unabhängige Software usw. ) bekommen,
    ist er meiner Meinung nach der „Fleischwolf“ unter den Schafen.

    Unser lieber klemmbausteine Freund, hat da weniger zu bieten, meiner Meinung nach.

    Konstruktive Grüße
    Kai

    1. Hallo Kai,
      Danke für Deinen Kommentar! Ja, fischertechnik hat im vergangenen Jahr kräftig investiert und macht wirklich einen spürbaren Sprung nach vorne – wie ich meine, auch in die richtige Richtung. Den neuen TXT 4.0 darf ich gerade testen und bin ziemlich angetan. An der Blockly-IDE wird noch unter Hochdruck gearbeitet, aber das sieht alles schon sehr gut aus. Bis zur Marktverfügbarkeit dürften die Kinderkrankheiten alle kuriert sein.
      Schön wäre natürlich, wenn auch der aktuelle TXT von Blockly unterstützt würde – wenn nicht, muss hier zur Not die Community-Firmware helfen.
      Beste Grüße,
      fischertechniker

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