Warum wir Handlungsbedarf haben.

fischertechnik ist ein einzigartiges technisches Baukastensystem – mit erheblichem didaktischen Potential. Das muss man niemandem näher erläutern, der fischertechnik kennt oder sogar damit aufgewachsen ist. Fragt man Ingenieure im „besten Alter“ nach den Ursprüngen ihrer ersten frühen Technikbegeisterung, lautet die Antwort in der Regel: fischertechnik.

Seit den 90er Jahren ist fischertechnik still und leise aus dem Schulunterricht und den Kinderzimmern verschwunden und hat seinen Platz für „Plug-and-Play“-Spielzeug räumen müssen. Playstation, Wii und das Smartphone haben in vielen Kinderleben das kreative Bauen und Konstruieren ersetzt; allein Lego konnte sich (in erster Linie mit Merchandising-Produkten wie den Harry-Potter-Welten) einen Kinderzimmer-Platz zurückerobern. Zeitlich korreliert diese Entwicklung mit dem Verschwinden des Technik- und „Werken“-Unterrichts aus Grund- und weiterführenden Schulen. Und es würde nicht wundern, wenn das sich derzeit zuspitzende Problem des Handwerks, Nachwuchs zu gewinnen, in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Entwicklung stünde.

Dabei ist „Technikkompetenz“ unser einziger Rohstoff – davon lebt Deutschland seit fast 150 Jahren. Unser Außenhandelsüberschuss und unser gesamter Wohlstand hängen unmittelbar davon ab, denn mit technischen Produkten des Maschinenbaus und der Automobilindustrie verdienen wir auf dem Weltmarkt unser Geld. Wenn wir diese Kompetenzen zukünftig nicht erhalten und ausbauen können, wird Deutschland in der Welt zumindest wirtschaftlich keine Rolle mehr spielen – und ohne unseren Wohlstand vermutlich auch sehr bald in anderen Bereichen nicht mehr (Politik, Sport, Kunst und Kultur).

Einen Vorgeschmack auf das, was uns „blühen“ könnte, lieferten die Ergebnisse des „PISA“-Tests 2018, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden. Der Test vergleicht alle drei Jahre die Lesekompetenz sowie die Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften von 15jährigen Schülerinnen und Schülern in 79 OECD-Staaten. 600.000 Schülerinnen und Schüler nahmen 2018 an diesem Test teil, an der statistischen Signifikanz der Ergebnisse sollte also kein Zweifel bestehen.

Das Ergebnis war ernüchternd. Und damit meine ich nicht, dass deutsche Kinder mit 500 bzw. 503 Punkten bei Mathematik bzw. Naturwissenschaften im Mittelfeld der OECD-Staaten landeten. Sondern dass vier außer Konkurrenz teilnehmende asiatische Staaten den „Vogel abschossen“: Die mit Abstand meisten PISA-Punkte erreichten die Provinzen Shanghai, Peking, Jiangsu und Zhejiang (591/590 Punkte), gefolgt von Singapur (569/551 Punkte), Macau (558/554 Punkte) und Hongkong (551/517 Punkte).

In fünf bis zehn Jahren sind diese asiatischen Schülerinnen und Schüler berufstätig. Und werden der Welt zeigen, wer wirklich Technik kann. Währenddessen werden wir weiter Jahr für Jahr zigtausend Technik-Talente verlieren, weil wir ihre Kompetenzen vernachlässigen, anstatt sie früh zu entdecken, zu fördern und zu entwickeln.

Ergebnisse der PISA-Studie 2018 (Befragung von 600.000 15jährigen Schülerinnen und Schülern)

Allen Initiativen zum Trotz, dank derer fischertechnik inzwischen endlich wieder in Schulen Einzug hält, geht das Interesse an fischertechnik nach einem kleinen Aufschwung Anfang der 2010er Jahre in den beiden vergangenen Jahren offenbar wieder zurück. Das zeigt ein Blick auf „Google Trends“:

Trends: Google-Suche nach „fischertechnik“, 2004-2020

Diese Entwicklung sollte uns zu denken geben. So, wie der „fischertechnik-Boom“ in den 70er Jahren eine ganze Generation von Ingenieuren und Technikern geprägt und vielleicht sogar hervorgebracht hat, muss das „Verschwinden“ von fischertechnik als Alarmsignal verstanden werden. Wir müssen Technik-Kompetenz und Technik-Begeisterung an die nächste Generation weitergeben. Diese Aufgabe können wir offenbar Bildungsministerien und Curricula nicht alleine überlassen – allen Lippenbekenntnissen und „MINT“-Initiativen zum Trotz hat sich in den vergangenen 20 Jahren nur wenig zum Besseren entwickelt. Und die Zeit wird knapp, während sich die curricularen Mühlen eher in mehreren Dekaden bewegen.

Daher sind jetzt wir gefragt. Denn die Vermittlung von Technikbegeisterung geht mit nichts einfacher und spielerischer als mit fischertechnik. Auf den Weihnachtseinkaufszetteln für unsere Kinder, Enkel, Nichten und Neffen sollte fischertechnik ganz oben stehen. Und wir sollten ihnen mit gemeinsamen Konstruktionsprojekten zeigen, was mit ein wenig Technik-Kompetenz alles möglich ist.

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