Was ein fischertechniker im Bücherschrank stehen haben sollte (Teil 11).

Nach der Entdeckung Amerikas Ende des 15. Jahrhunderts „eroberten“ Schiffe die Weltmeere – und verließen die Sichtweite der Küsten. In einer Zeit ohne GPS war die Positionsbestimmung dabei eine Herausforderung: Der Breitengrad ließ sich z. B. anhand des Sonnenstands relativ leicht bestimmen, aber der Längengrad war ein Problem. Denn die Bestimmung der Länge benötigt die Bestimmung des Zeitabstands von einem Referenzort – dem „Null-Meridian“, der in der Position der Sternwarte von Greenwich bei London festgelegt wurde. Bei einem Zeitmaß von 24h je Erdumdrehung entspricht eine Stunde genau 15° geografischer Länge. Auf der Höhe des Äquators sind das rund 1670 km – eine ungenaue Längengradbestimmung kann daher erhebliche Navigationsfehler zur Folge haben. Genaue Uhren existierten allerdings nicht, und die Versuche, die Mondposition („Monddistanzmethode“) als „Zeitreferenz“ zu nutzen, waren nicht genau genug. Die von Christiaan Huygens Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelten Pendeluhren waren auf schwankenden Schiffen nicht verlässlich.

Zahlreiche Schiffe sanken aufgrund fehlerhafter Navigation in Küstennähe, wenn die Sicht durch Nebel oder Dunkelheit beschränkt war. 1707 verloren die Briten vier Kriegsschiffe direkt vor der Südwestküste Englands durch eine fehlerhafte Längenbestimmung – 2000 Besatzungsmitglieder inklusive des Flottenadmirals ertranken.

Daraufhin schrieb die britische Krone im „Longitude Act“ 1714 das damals gigantische Preisgeld von 20.000 Pfund für die Entwicklung einer Methode aus, mit der sich der Längengrad auf See auf ein halbes Grad genau bestimmen ließe – immer noch eine Unschärfe von rund 55 km.

Jonathan Betts - Harrison.jpg

Das wunderschöne Bildbändchen „Harrison – Eine Uhr zur Bestimmung des Längengrads“ von Jonathan Betts erzählt die Geschichte des Längengradproblems und seiner Lösung durch Harrison mit wunderschönen Abbildungen, dem geschichtlichen Kontext und einigen technischen Erläuterungen. Lesenswert. Auch wenn die Konstruktion eines vergleichbar präzisen Schiffschronometers mit fischertechnik wahrscheinlich außerhalb unserer Möglichkeiten liegt… aber wer kann das schon sicher sagen…

Schiffschronometer H1 (John Harrison)

Schiffschronometer H1 von John Harrison

 

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