Was kleine fischertechniker so auf die Beine stellen.

Richtig verstanden sollte Schule vor allem drei Zielen dienen: der Vermittlung von Grundfertigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen), der Weckung von Erkenntnisinteresse und Wissensdurst, und der Entdeckung und Entwicklung der Talente und Potentiale unserer Kinder. Ob Schule das derzeit zu leisten im Stande ist, will ich hier nicht diskutieren – dazu habe ich mich in anderem Zusammenhang geäußert.

Zweifellos aber gelingt es bisweilen, wohl eher trotz als dank der Curricula. Und das ist (nach meiner zugegebenermaßen etwas selektiven Beobachtung) meist die Leistung einzelner Lehrerpersönlichkeiten, die sich ihrer Aufgabe mehr verpflichtet fühlen als der Erfüllung regierungspräsidialer Anforderungen.

Und doch gibt es da einen blinden Fleck. Selbst an einer currikular gehorsamen Schule käme kein Mensch auf die Idee, Schülerinnen und Schüler erst mit 14 Jahren mit Musik, Kunst, Literatur oder Sport in Kontakt zu bringen. Beim Technikinteresse leisten wir uns aber genau das: NWT („Naturwissenschaft und Technik“), Physik und Chemie werden erst ab der achten Klasse gelehrt – obwohl wir eigentlich wissen sollten, dass die Entfaltung dieser Talente nicht nur Kultur erhaltend, sondern schlichtweg eine Wohlstandsvoraussetzung in unserem an Rohstoffen armen Land ist, und dass Talententfaltung bei pubertierenden 14-Jährigen kaum noch gelingen kann.

Wer auch immer auf die Idee gekommen sein mag, dass man Kinder – aus welchen Gründen auch immer – nicht schon in jungen Jahren mit Technik in Kontakt bringen sollte, hat wahrscheinlich nie (bei sich selbst oder den eigenen Kindern) erlebt, welche prägenden Glückserlebnisse eine solche Beschäftigung auslösen kann.

Um möglichst vielen Kindern die Chance für ein solches Erlebnis zu geben, wurden in Karlsruhe mit Sponsorengeldern an inzwischen 16 Grundschulen „Spielzimmer voller fischertechnik“ eingerichtet, in denen die Kinder im Rahmen einer fischertechnik-AG eigene Ideen und Kreationen umsetzen. Jeden Sommer treffen sich die AGs beim „Karlsruher fischertechnik-Tag“ in der Gartenschule, um aus einzelnen Modulen eine gemeinsame, große Maschine zu konstruieren. Im Juli 2017 war dies die wohl längste je gebaute „Tischtennisball-Weitergabemaschine“ aus fischertechnik – 19,7 Meter lang, zusammengesetzt aus 45 Modulen, die 98 Schülerinnen und Schüler von sechs Grundschulen innerhalb von zwei Monaten entworfen und konstruiert hatten.

Da Bilder bekanntlich mehr sagen als Worte verzichte ich auf eine nähere Beschreibung dieses mitreißenden Events – und empfehle das folgende Video:

 

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