Was wir schon 1972 über fischertechnik wussten.

Dass das fischertechnik-System ein pädagogisch herausragendes Baukastensystem ist, muss man einem fischertechniker nicht erklären. Dass sich diese Erkenntnis wissenschaftlich untermauern lässt, wird ein fischertechniker vermuten. Dass eine solche gesicherte Analyse bereits vor knapp 44 Jahren vorlag, mag dann doch selbst den einen oder anderen fischertechniker freudig überraschen.

Im Jahr 1972 (wir erinnern uns: die 20. Olympischen Spiele in München begeistern die Welt, die Watergate-Affäre erschüttert die USA, Andreas Baader und Ulrike Meinhoff werden verhaftet, HP bringt den ersten wissenschaftlichen Taschenrechner HP-35 auf den Markt, der Club of Rome veröffentlicht „Die Grenzen des Wachstums“, die heutige SAP AG wird gegründet, der Nordirlandkonflikt eskaliert am Bloody Sunday, Heinrich Böll erhält den Literaturnobelpreis, Harry S. Truman, 33. Präsident der USA, stirbt im Alter von 88 Jahren) erscheint in der Dezemberausgabe des „Test“-Magazins der Stiftung Warentest ein Bericht über zehn aktuelle Spielzeug-Baukastensysteme.

Professor Hans Mieskes aus Gießen in seiner Einleitung: „Im Hantieren  mit Bauelementen erfährt das Kind die dritte Dimension; es wird ihrer nicht nur inne, sondern gestaltet, bewältigt sie auch, erhält dadurch das Formgefühl, lernt die Eigenschaften des Materials und die Bedingungen seiner Verwendung kennen. Ein nach den Naturgesetzen orientiertes Denken, Erkennen, Planen, Kombinieren und Konstruieren kommt in Gang. Die Kontrolle hinsichtlich material- und funktionsgereichten Anwendens folgt auf den Fuß: der Bau steht oder fällt zusammen. Mogeln ist nicht möglich. Hierin liegt nicht nur der bildende Ertrag aller Bauspiele (von dem Ertrag praktischer Fertigkeiten ganz zu schweigen); es steckt auch eine eminent erzieherische Komponente darin.“ (in: Test, 7. Jhrg., Ausgabe 12/1972, S. 505).

Im einleitenden Artikel halten sich die Tester hinsichtlich einer Empfehlung zunächst bedeckt – und raten dazu, auszuprobieren, welches System am besten zum jeweiligen Kind passt. Deutlicher werden sie jedoch in der Einzelbewertung der fischertechnik-Baukästen:

Das z. Zt. am besten durchdachte und leistungsstärkste Baukastensystem mit einem hohen Aufforderungscharakter für alle Benutzer. (…) Bezeichnenderweise bekunden Eltern und Sozialpädagogen immer noch (unberechtigte) Bedenken gegenüber dem technischen Charakter des Systems, nicht aber die Kinder. Die erforderlichen Fingerfertigkeiten werden auch von Kleinen schnell und leicht erlernt; von da an kommen Phantasie, Beobachten, Denken, Planen, Konstruieren, Experimentieren und Erkennen zu ihrem vollen Einsatz. Alle Bauformen und Funktionsweisen sind und bleiben durchschaubar; sie vermitteln verlässliches technisches Wissen und Können.“ (in: Test, 7. Jhrg., Ausgabe 12/1972, S. 506).

Ein Schmunzeln zaubert schließlich die Altersempfehlung auf die Lippen eines fischertechnikers: „Ab vier Jahren (…), nach oben hin unbegrenzt.

Sehr modern übrigens auch die generelle Empfehlung in der Einleitung – Jahrzehnte vor der Erfindung der Gender-Politik: „Verfallen Sie nicht in den alten Fehler, nur einem Jungen einen Baukasten zu schenken. Mädchen macht das Konstruieren und Lösen technischer Probleme ebensoviel Spaß.

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2 Kommentare

  1. Und den Oscar du Jouet haben sie ja auch mehrfach bekommen damals!
    Gruß, Stefan

    • fischertechniker

      Hallo Stefan,
      ja, den französischen Oscar du Jouet hat fischertechnik sogar schon 1970 erhalten – meines Wissens allerdings nur einmal. Davor erhielt fischertechnik 1966 die Auszeichnung Meilleur Jouet als bestes Spielzeug und 1967 das Diplôme du meilleur jouet.
      Gruß, fischertechniker

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