Wie man das fischertechnik Dark Age überwindet.

In der Zeit zwischen dem Untergang des weströmischen Reiches (ca. 480 n.Chr.) und der aufkeimenden Renaissance (Mitte des 15. Jahrhunderts) liegt das Dark Age. In dieser Zeit verfielen in Westeuropa viele zivilisatorische Errungenschaften, wie z.B. die gepflasterten römischen Straßen – sodass man Wagen wieder durch Pferde ersetzte. Mit der Christianisierung und der Verfolgung von Häretikern gingen große Teile der antiken Erkenntnisse und Werke verloren oder wurden in Klosterbibliotheken dem allgemeinen Zugriff entzogen. Aus dieser Zeit gibt es sehr wenige überlieferte Bücher, das intellektuelle Leben beschränkte sich fast ausschließlich auf Klöster und einige (weltliche und kirchliche) Herrschaftshäuser und das gemeine Volk darbte. Der Stillstand dieser 1.000 Jahre hat sogar zu Spekulationen geführt, ein Teil dieser Zeit sei ein Chronologiefehler und habe nie stattgefunden. Erst mit der Wiederentdeckung der Antike in der Renaissance des 15. Jahrhunderts (z.B. durch Leonardo da Vinci), der Entwicklung prosperierender Städte und der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg (um 1450) erwachte Europa aus dieser dunklen Zeit.

Solche Dark Ages kann es auch in einem Menschenleben geben – eine Zeit, in der man vergisst, was einen als Kind begeistert und gefesselt hat. Lego-Fans nennen diese Phase „Lego Dark Age“. Und auch fischertechniker kennen diesen tristen Talent-Halbschlaf, den Martin Neumann am 15. Januar 2015 so treffend in seinem Blog-Beitrag Tagebuch eines Erfinders beschrieben hat. Wer die grauen Klötzchen in seiner Kindheit besaß, erinnert sich vielleicht: An die (für die Mutter völlig überraschende) urplötzlich aufflammende Begeisterung für gemeinsame Einkäufe (allerdings nur in dem Kaufhaus, in dem es fischertechnik gab), das magnetische Ziehen, das der neue Statik 200, der em1 oder die Silberlinge des ec2 im Regal auslösten, der Griff in die ausliegenden kostenlosen Demomodell-Bauanleitungen (auf der Suche nach einer, die noch nicht zu Hause nachgebaut worden war), das fiebrige Zählen der dank einer Geldzuwendung der Oma aufgewerteten Taschengeldersparnisse, um zu sehen, ob es schon für einen neuen Kasten reicht…

Leuchtturm-Modellanleitung (1976)

Leuchtturm-Modellanleitung (1976)

Wer das noch kennt, ist heute in einem Alter, bei dem eine Konvolut-Ersteigerung bei ebay nicht mehr das Taschengeldbudget sprengt. Meine Empfehlung: es ist den Versuch wert. Das beglückende Erlebnis, wenn das Lieblingsmodell der Kindheit in frischem Glanz vor einem steht, ist nicht in Gold aufzuwiegen.

Advertisements

2 Kommentare

  1. So, hallo erstamal -ich weiß jetzt nicht so recht, ob dieser blog noch gepflegt wird, aber beim lesen amüsier‘ ich mich köstlich ^^ – und ‚die grauen Klötzchen‘ haben mich nie mehr losgelassen, schön zu sehen, daß ich da nicht allein bin… :-))

    Habe gerade zwei SUPERFETTE Konvolute (die ganz alten ‚Oscar du Jouée 1970′-GK 100/200/300/400 UND Statik 100/200/300/400 – das Zeug ist viel mehr wert, als ich bezahlt hab‘ – und ein Einzelteilkonvolut mit ordentlich stuff, zwar schon ein paar gelbe und schwarze Teile dabei, aber egal 😉 ) und dazu noch die ca. 1978er GK 50/1 und 50/2 (leider in dunkelrot :-(, aber dafür komplett, zusammen 8,06.- + 7,00.- Vers. :-)) ) ersteigert – weil ich echt von dem Zeug geträunt hab‘ – immer wieder – und noch ein offenes Projekt im Raum steht — seit 20 Jahren, als ich meinen Riesenberg ft verkaufen mußte (‚Ich war jung und br….‘ ^^ – 250.- Mark für EINE TONNE (1t) ft-stuff, ich krieg heute noch Gänsehaut, wenn ich dran denk‘

    Grundbauteile aller Art (und ein paar Motörchen, nur ein Netzgerät fehlt noch) sind also vorhanden, das em-, ec- und Pneumatik-Zeugs kommt peu à peu dazu

    So, jetzt zum ernsthaften Teil:
    angedacht habe ich (vor zwanzig Jahren 😉 ) ein Flugzeugmodell (zwei- oder viermotorig, Luftschraubenantrieb unter den bzw. in den Tragflächen) mit gefedertem, einziehbaren Fahrwerk (am liebsten in die Tragflächen [2mot-Version], aber evtl. auch in die Motorgondeln), wobei das Fahrwerk nach dem Einziehen durch ’sauber deckende‘ Klappen abgeschlossen wird und diese ‚in time‘ von innen arretiert werden – beim Ausfahren muß der ganze Vorgang dann rückwärts ablaufen – klingt doch schon mal ganz nett, oder ? ^^
    – Kabinendach als Schiebedach mit automatischer Arretierung
    – Seiten- und Höhenleitwerk FEINsteuerbar (Seilzüge oder über irgendein Zahnkonstrukt) – das wird wohl richtig knifflig
    – Und dann noch gadgets wie Bombenschacht zum Öffnen und Halterungen, um die Ladung rauszulassen – oder (ohne Bomben ^^) eine Transporter-Version mit Heckklappe (natürlich motorisiert und mit Verriegelung)
    – modulare Rumpf-, Trägflächen- und Fahrwerks-Konstuktion, um in sich geschlossene Baugruppen abziehen und ersetzen zu können

    Das reicht wohl fürs Erste… – Zeit habe ich, bis ich die Teile nicht mehr halten kann (also noch so ca. 40 Jahre ^^) – und ich freu mich riesig auf’s austüfteln – aber ich bin dankbar für kleine hints oder Kontakte, die ich mal an-mailen kann, wenn ich mit einer Detaillösung um’s Verr****** nicht mehr weiterkomme

    Lgr an die ft-Gemeinde und den blog-master, toll daß das noch lebt
    Roman
    Auxxburg RockCity

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: