Wie alles begann.

Wie wäre mein (Berufs-)Leben wohl verlaufen, wenn meine Großeltern meinem Bruder und mir nicht vor bald 40 Jahren einen fischertechnik-Kasten geschenkt hätten? Wäre meine Begeisterung für Technik (oder die meines Bruders) auch ohne fischertechnik erwacht und angefacht worden? Ich weiß es nicht (und werde es wohl auch nie wissen, da man sein Leben ja nicht nochmal leben kann). Aber eines weiß ich sicher: Ohne fischertechnik wäre unsere Kindheit erheblich ärmer gewesen. Wie arm, das merkte ich, als ich vor 12 Jahren meine bereits verloren geglaubten fischertechnik-Kästen im Keller meiner Eltern wiederentdeckte. Kaum wieder zu Hause, konnte ich nicht widerstehen – und legte die geliebten Klötzchen erst in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages aus der Hand, nachdem es mir gelungen war, drei Lieblingsmodelle meiner Kindheit nachzubauen.

Inzwischen ist die Zahl meiner Baukästen um ein Vielfaches gewachsen, und unser Speicher hat sich zum fischertechnik-Paradies entwickelt – für mich und unsere drei Söhne, die Stunden um Stunden friedlich bauend und konstruierend dort verbringen können. Unsere heutigen Modelle haben das Niveau der Bauanleitungen hinter sich gelassen: Wir konstruieren Brücken, entwickeln komplexe (Bau-)Fahrzeuge und Züge oder bauen technikgeschichtlich interessante Entwicklungen nach. Oder wir experimentieren mit Sensoren und Robotern.

Greifer

Greifer eines Knickarm-Roboters (Foto: fischertechniker)

Diese Geschichte ließe sich, in leichten Varianten, von zahlreichen deutschen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern meiner Generation erzählen, denen fischertechnik in der Kindheit die Türe zur Technikfaszination aufgestoßen hat. Damit verdankt Deutschland fischertechnik vielleicht sogar einen guten Teil seines heutigen wirtschaftlichen Erfolgs: Hätte der „schwäbische Daniel Düsentrieb“ Artur Fischer nicht 1964 seinen Kunden mit einem kleinen Weihnachtsgeschenk eine Freude machen wollen – wer weiß, ob Deutschland heute so erfolgreich dastünde. Aber auch das werden wir nie sicher wissen (siehe oben).

Nachdem fischertechnik – vor allem durch eigene Fehler – von 1990 bis 2005 keine nennenswerte Rolle in deutschen Kinderzimmern gespielt hat (und in der Folge die Zahl der MINT-Studenten deutlich rückläufig war), ist fischertechnik seit einigen Jahren wieder auf einem steilen Wachstumspfad. Die Besinnung auf die Wurzeln – Technikspielzeug, das Technik spielerisch verständlich macht – zahlt sich aus: Mit Kästen wie „Technical Revolutions“, „Da Vinci Machines“ oder „Profi Optics“ ist fischertechnik auch wieder im Schulunterricht angekommen. Allerdings nicht in Deutschland: Während Schüler und Studenten u.a. in Brasilien, Mexico, USA und China mit dem „deutschen Ingenieursbaukasten“ ausgebildet werden, verhindern hierzulande Föderalismus und unzureichende Bekanntheit unter Lehrkräften die Verbreitung von fischertechnik an Schulen. Dabei brauchen wir Technikbegeisterung dringender als jedes andere Land der Welt: Es ist unser einziger Rohstoff. Und während wir sprachliches, sportliches und künstlerisches Talent nach Kräften fördern, leisten wir es uns, technische Talente verkümmern oder unentdeckt zu lassen. Damit sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Dieser Blog will einen kleinen Beitrag dazu leisten, das zu ändern. fischertechnik gehört in deutsche Kinderzimmer wie das Reinheitsgebot zum Bier oder das Brandenburger Tor zu Berlin – ein geniales Produkt eines deutschen Rekorderfinders, langlebig und aus deutscher Herstellung, unvergleichlich gut geeignet, um Kinder und Jugendliche spielend für Technik zu begeistern. Den Beweis dafür will dieser Blog liefern.

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